Einer für alle
Geschrieben von wildalligator am September 21 2018 13:36:47
HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

ASCHERSLEBEN/MZ - Aufgrund der dünnen Personallage wächst beim HCA der Druck auf Leute wie Pit Seifert. Doch der 25-Jährige könnte eine noch größere Hilfe sein.
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HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

Aufgrund der dünnen Personallage wächst beim HCA der Druck auf Leute wie Pit Seifert. Doch der 25-Jährige könnte eine noch größere Hilfe sein.

ASCHERSLEBEN/MZ - Wenn Pit Seifert über sich als Handballer spricht, überkommt ihn so ein Lächeln. Die Hälfte der Beobachter würde es als arrogant abstempeln, die andere Hälfte als selbstbewusst.
So ist das auch an diesem Abend in seinem Wohnzimmer, als er nach dem Training des HC Aschersleben neben Freundin Anna in der gemeinsamen Wohnung auf dem Sofa sitzt und über sich und seine neue Situation beim Oberligisten spricht.
Der Kader des HCA hat sich im zurückliegenden Sommer ausgedünnt, mit Clemens Grafenhorst und Nicolas Berends gingen zwei Rückraum-Leistungsträger in die 3. Liga zum SV Anhalt Bernburg. Als Neuzugang kam nur der junge Kreisläufer Stephan Hasselbusch. Für einen wie Seifert sind dadurch die Aufgaben bei den Alligators gewachsen.

Noch mal höherklassig?
Martin Wartmann hat eine hohe Meinung über Pit Seifert. Wenn der Kapitän des HCA über den Linksaußen spricht, fällt oft der Satz: „Piti kannst du in die 2. Liga stellen.“
Seifert ist der mit großer Sicherheit individuell beste Spieler des HC Aschersleben - und er weiß das, das Lächeln belegt es.
Dadurch, und durch den Umstand des dünnen Kaders beim Oberligisten wächst aber auch die Verantwortung, die Pit Seifert übernehmen muss. „Man merkt, dass mehr erwartet wird“, sagt er über die aktuelle Lage.

Kein Ersatz gekommen
Seifert muss in diesem Jahr noch mehr Einfluss auf das Spiel nehmen, da im Sommer kein Ersatz für die verlorenen Leistungsträger kam.
Dass Aschersleben vor dem zweiten Heimspiel gegen die SG Pirna/Heidenau am Sonnabend nach drei Partien mit 3:3 Punkten recht positiv dasteht, überrascht den 25-Jährigen selber ein wenig.
Verkennen möchte er den Sommer dennoch nicht. „Es ist schwierig, das in schöne Worte zu verpacken“, sagt er. Kurzum: Seifert hat die ungewisse Zukunft genervt. „Man macht sich einen Kopf.“ Gerade er.
Wohl nichts steht so für den HCA wie die Familie Seifert. Vater Frank sr. ist Co-Trainer und aus dem Verein nicht wegzudenken, Pits vier Jahre älterer Bruder Frank jr. hatte Ende der Vorsaison eigentlich aufgehört, zuletzt aber wieder angefangen - aus Verbundenheit zum HCA.

Sich von der Familie zu trennen ist schwer
Pit Seifert könnte, wie Kapitän Wartmann es sagt, auch locker höherklassig spielen. Die Angebote waren da, und Seifert sagt: „Es würde mich auch noch mal reizen, die Gedanken sind immer da.“ Doch: „Es ist schwer sich von der Familie zu trennen.“
Volle Konzentration also auf den HC Aschersleben und darauf, wie er dem Oberligisten in dieser so schwierigen Saison am besten helfen kann.
Irgendwann ja vielleicht so, wie in der vergangenen Woche: Beim HC Elbflorenz II war Pit Seifert ob der personellen Not im Rückraum als Spielmacher aufgestellt, was auch in der Vorbereitung getestet wurde.
Zwar gab es eine klare Niederlage (19:30), dennoch könnte es ein Modell mit Zukunft sein.

Eine Bank auf Linksaußen
Klar: Auf Linksaußen ist Seifert eine Bank und einer der besten der Liga. Doch aufgrund seines starken Wurfrepertoires und seiner Dynamik ist er dort in der aktuellen Personalsituation des HCA vielleicht auch ein bisschen verschenkt.
Pit Seifert selber sagt auch: „Im Rückraum kann man mehr entscheiden.“ Vor allem er mit seiner Qualität. Er wäre dort quasi einer, der allen hilft.

„In dieser Liga...“

Das Problem: Mit Felix Uhlig ist hinter Seifert ein unerfahrener Mann die Zwei auf Linksaußen. Uhlig wurde erst im Sommer aus der zweiten Mannschaft hochgezogen.
Dass Seifert also in den nächsten Wochen dauerhaft im Rückraum zum Einsatz kommt, was ihm „gefallen“ würde, ist also erst einmal unrealistisch. Und mit Routinier Martin Wartmann und dem jungen Sascha Berends hat Aschersleben auch zwei gute Mittelmänner.
Seifert möchte sich nicht mit Zwang reindrängeln, er sagt aber auch: „Auf Mitte könnte ich mehr Einfluss nehmen und der Mannschaft mehr helfen.“ Er unterstreicht das noch mit den Worten: „In dieser Liga auf jeden Fall.“ Und plötzlich ist da wieder dieses Lächeln.

Anwurf in der Ballhaus-Arena ist am Samstagabend um 19 Uhr
(mz)


BILD: Pit Seifert steht noch mehr in der Verantwortung.
Foto: HARTMUT BÖSENER



Kairies gefeuert
Am Mittwochabend gab es einen Paukenschlag in der Mitteldeutschen Oberliga. Die HG 85 Köthen hat sich von Trainer Svajunas Kairies getrennt.
Von Vereinsseiten äußerte man sich zu den Gründen der Trennung nur kurz: „Das Präsidium sieht zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Zielstellung des Vereins nicht erreichbar.“
Kairies, der frühere Ascherslebener und Bernburger Handballer, war überrascht von
der Entscheidung des Vereins. Er sei tief schockiert und könne es nicht fassen, sagte der 38 Jahre alte Litauer.
Köthen war mit 2:4 Punkten in die Saison gestartet.