Große kleine Jungs
Geschrieben von wildalligator am September 10 2018 16:09:56
HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

ASCHERSLEBEN/MZ - Körperlich unterlegen erkämpft sich der HC Aschersleben gegen Burgenland einen Punkt. Welche wichtige Rolle Rückkehrer Frank Seifert dabei spielt.
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VON TOBIAS GROSSE

Körperlich unterlegen erkämpft sich der HC Aschersleben gegen Burgenland einen Punkt. Welche wichtige Rolle Rückkehrer Frank Seifert dabei spielt.

ASCHERSLEBEN/MZ - Wenn man im Ballhaus in Hörweite von Sieglinde Seifert sitzt, erlebt man bei Heimspielen des HC Aschersleben eine Ehefrau (von Co-Trainer Frank) und Mutter (von den Spielern Frank jr. und Pit), die voll bei der Sache ist. Und wenn Frank Seifert jr. im Rückraum an den Ball kommt, hört man von der EX-Handballerin gelegentlich: „Jetzt mal hoch.“
Seifert jr. ist einer der wenigen Männer beim Oberliga-Club mit Rückraum-Statur. In den letzten Jahren durfte der Abwehrspezialist jedoch nur selten im Angriff spielen. Am Samstagabend allerdings hat er sich in Halbzeit zwei gegen den HC Burgenland ein Herz genommen und mit vier Toren mitgeholfen, beim 25:25 einen Punkt zu holen.

Körperlich unterlegen
Der 29-Jährige war vor einer Woche überraschend zurückgekehrt. Eigentlich hatte Frank Seifert jr. seine Karriere im Sommer beendet. Aufgrund der angespannten personellen Lage bei seinem Heimatverein hat sich der Familienvater und Polizist aber entschlossen, noch einmal die Schuhe zu schnüren. Zumindest bei Heimspielen, so ist der Plan. Am Samstagabend war er gegen den HCB in der zweiten Hälfte nicht nur in seiner Paraderolle als Abwehrchef elementar, sondern auch offensiv. „Vor allem gegen so einen Gegner“, so Aschersleben-Coach Dmitry Filippov.
Der HCA war den Gästen aus dem Süden Sachsen-Anhalts körperlich komplett unterlegen. Dazu fehlte mit Jens Schmidt noch einer der „großen Jungs“. Dennoch hat das Team von Filippov den Kampf angenommen, umso stolzer war der zweifache Olympiasieger auf seine großen, kleinen Jungs. „Wir sind zwar nicht groß, aber wir sind schnell“, sagte er nach dem Spiel.
Die Partie zwischen den im Sommer arg gebeutelten Krokodielen und dem Meisterschaftsanwärter bewegte sich die ganze Zeit auf Augenhöhe. „Es war ein Hin- und Herschaukeln“, nannte es Filippov. Burgenland hatte in der ersten Hälfte geführt, wie auch zur Halbzeitpause mit 14:12, Aschersleben dafür im zweiten Abschnitt. „Am Ende“, so der Coach, „bin ich zufrieden.“
Entscheidenden Anteil daran hatte im zweiten Durchgang auch Rückkehrer Frank Seifert jr., der – auch wenn er auf dem Spielfeld nicht hörbar ist – den stetigen Ratschlag seiner Mutter annahm, offensiv Mut bewies, Verantwortung und Würfe übernahm.
Vier blitzsaubere Tore erzielte der 29-Jährige gegen Burgenland, teilweise sogar bei angedrohtem Zeitspiel. Dass er erst im zweiten Durchgang offensiv in Erscheinung trat, hatte freilich Gründe. Seifert hat keine Vorbereitung mitgemacht und berufsbedingt auch in der Woche vor dem Spiel nicht trainieren können. In der ersten Hälfte, als er das erste Mal offensiv reinkam, „wollte ich deswegen erst mal nur mitspielen“, sagte er nach dem Spiel.

Keine neue Waffe?
In Hälfte zwei musste Frank Seifert dann aber irgendwann Verantwortung übernehmen – und nachdem die ersten Aktionen gelangen, tat er das mit Bravour. „Das war befreiend“, gestand er zwar, als neue Offensivwaffe sieht er sich jetzt aber nicht. „Ich glaube nicht, dass ich dafür der erste Mann bin“, sagt er. Umso wichtiger, wenn er auch als vermeintlicher zweiter Mann vorne so funktioniert.

HCA: Hoyer (n.e), Gudonis; Kommoß (3/1), P. Seifert (7/2), Berends (4), A. Filippov, Wartmann, Weber (6), Nupnau (n.e.), Uhlig (n.e.), Hasselbusch (1), F. Seifert (4)


FOTO: MZ/Archiv