Quo vadis HCA?
Geschrieben von wildalligator am April 18 2018 09:16:21
HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

ASCHERSLEBEN/MZ - Aschersleben gewinnt das prestigeträchtige Derby gegen die HG 85 Köthen. Wichtiger ist mittlerweile aber die Frage, wie es ab Sommer weitergeht.
Erweiterte News
HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

Aschersleben gewinnt das prestigeträchtige Derby gegen die HG 85 Köthen. Wichtiger ist mittlerweile aber die Frage, wie es ab Sommer weitergeht.

ASCHERSLEBEN/MZ - Nach einem Handballspiel kann man immer schöne Rechenspielchen aufstellen, die den Ausgang der Partie untermauern. Man nehme zum Beispiel das prestigeträchtige Sachsen-Anhalt-Derby zwischen dem HC Aschersleben und der HG 85 Köthen, das am Sonntagnachmittag in der Ballhaus-Arena stattgefunden hat. Aschersleben hat mit 33:31 gewonnen – und eine Sache, die man mit einer Statistik füttern kann, fiel dabei bereits im Spielverlauf deutlich ins Auge: HCA-Torhüter Mantas Gudonis, der eine gebrauchte erste Hälfte erwischte und nicht einmal ein Viertel aller Bälle hielt, steigerte sich in Abschnitt zwei enorm und hielt dann fast die Hälfte. „Wir hatten in der zweiten Halbzeit eine bessere Deckung“, fand Trainer Dmitry Filippov, „und vor allem Manni.“

Der Abschied naht
Der litauische Keeper hat gegen Köthen einmal mehr seinen auch im Alter von 38 Jahren noch immer überragenden Wert für den HC Aschersleben untermauert. Abwehrchef Frank Seifert junior sagte nach der Partie sogar: „Ich war mir in der Halbzeitpause relativ sicher, dass wir das Spiel noch drehen können, denn es war klar: So schlecht hält Manni nicht noch eine Hälfte.“ Nach 30 Minuten hatte der HCA noch mit 14:16 zurückgelegen.
Neben Gudonis zwischen den Pfosten waren es aber auch in der Offensive zwei Spieler, die elementar für Ascherslebens Erfolg gegen die HG 85 waren: Clemens Grafenhorst und Nicolas Berends. Elf der 19 Treffer haben die beiden Rückraumspieler im zweiten Durchgang erzielt und „ihre Wichtigkeit für uns unter Beweis gestellt“, sagte Trainer Filippov. Blöd nur, dass es für beide schon das drittletzte Spiel im Alligators-Trikot war, der Abschied naht.

Wie wird die HCA-Mannschaft der kommenden Saison aussehen? Die nächsten Wochen muss es Antworten geben.
FOTO: SVEN BRÜCKNER

Grafenhorst und Berends werden im bevorstehenden Sommer zum SV Anhalt Bernburg in die 3.Liga wechseln. Das ist schon seit Wochen bekannt und für beide – Grafenhorst ist 23 Jahre alt, Berends gar erst 20 – der nächstlogische Karriereschritt. Aber er tut dem HC Aschersleben auch noch immer weh. Filppov wird nicht müde zu betonen, wie schwer das Unterfangen wird, die Leistungsträger zu ersetzen.
Quo vadis HCA? Wohin führt also der Weg des Ex-Zweitligisten? Aschersleben arbeitet daran, diese Frage zu beantworten. Filippov verriet nach dem Sieg über Köthen, mit drei möglichen Neuzugängen – zwei jüngere Spieler und ein routinierter – in Gesprächen zu stehen. „Klar, sind wir in einer schweren Situation“, räumte der Coach ein, zumal auch Tom Kaufmann den Verein verlassen wird und die Zukunft von Trainersohn Andrej sowie Pit Seifert berufsbedingt noch offen ist: Filippov junior legt derzeit seine Fachhochschulreife ab, Seifert beendet sein Studium an der Polizeifachhochschule. Aber: „Wir haben auch noch ein bisschen Zeit“, beschwichtigte der Doppel-Olympiasieger.
Dass Siege wie gegen die HG 85 und die damit verbundene Chance, die Spielzeit in der vierten Liga zum dritten Mal in Folge unter den Top-Fünf beenden zu können, Aschersleben bei der Zugang-Suche helfen, glaubt Dmitry Filippov jedoch nicht. „Die Jungs, die zu uns kommen möchten, die kennen uns.“ Man weiß, was man beim HCA vorfindet: Ein homogenes Team, das eine gute Altersstruktur und einen Trainer hat, der auf Talente baut, wie die Beispiele Grafenhorst und Berends zeigen. Aber auch einen Club, der keine großen finanziellen Sprünge machen kann.

Sondierungsgespräche
In den kommenden Tagen finden zwischen dem Trainerteam (Filippov und Frank Seifert senior) und dem Vorstand Sondierungsgespräche statt. Dort wird der finanzielle Rahmen für die nächste Saison festgelegt. Zudem sollen die potenziellen Zugänge bald zu Trainingseinheiten kommen. Es bleibt also spannend beim HCA, die nächsten Wochen geben Antworten, wohin der Weg führt.

HCA: Gudonis, Thäder; Kommoß (5), P. Seifert (8/2; Rot, 60., 3x2), S. Berends, Wartmann, A. Filippov, Grafenhorst (7), N. Berends (5), Weber (3), Nupnau (1), Schmidt (2), F. Seifert (1)